20.Januar 2014: Lockerung der Iran-Sanktionen – die Gewinner

(swiss-persian.ch/Genf)Nun wurde das Datum offiziel bestätigt: ab dem 20.Januar wird eine auf sechs Monate begrenzte Lockerung der Iran-Sanktionen seitens des Westens erfolgen. Bereits Ende November 2013 hatten sich die Gruppe der ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates inklusive Deutschlands mit dem Iran auf diese “vertrauensbildende” Maßnahme geeinigt, der Zeitpunkt für den Beginn blieb jedoch zunächst unklar. Doch welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat diese Sanktionslockerung in knapp zehn Tagen und welche Branchen könnten in Europa und im Westen davon profitieren?

Welche der Sanktionen für konkrete Lockerungen vorgesehen sind, wird laut der deutschen Ausfuhrkontrolle sehr konkret angegeben:

  • Importverbot für petrochemische Produkte aus Iran
  • Handelsverbot für Gold und andere Edelmetalle mit Iran
  • Versicherungsverbot für Transporte iranischen Öls, soweit Transporte in Staaten außerhalb der EU
  • Heraufsetzung der Schwelle für eine Genehmigung (der Deutschen Bundesbank) für Finanztransaktionen mit Iran-Bezug

Doch auch andere Sanktionen entfallen , wenn man die Vereinbarung der Staatengemeinschaft von Ende Novemer 2013 mit dem Iran näher betrachtet:

  • keine weiteren Bestrebungen um den Export von iranischem Rohöl zu reduzieren.
  • Freigabe von iranischen Geldern im Ausland (teilweise)
  • Aussetzung von Sanktionen die, die Versicherung und den Transport von iranischen Rohöl betrafen
  • Aussetzungen der amerikanischen Sanktionen gegen die Automobilindustrie des Landes
  • Lizenzierung von Lieferungen von Ersatzteilen für Flugzeuge (zivil), sowie Reperatur für die zivile Luftfahrtindustrie sowie alle damit verbundenen Dienstleistungen
  • Aufbau eines finanziellen Kanals für den “humanitären Handel” um u.a. Transaktionen für Medizin und medizinisches Gerät, medizinische Versorgung im Ausland, Nahrungsmittel und landwirtschaftliche Erzeugnisse für den Iran zu ermöglichen
  • die EU wird Transaktionen für nicht sanktionierte Güter nicht beschränken oder behindern

Zu den größten Nutznießern des “Iran-Geschäfts” in Europa zählten in der Vergangenheit Banken wie die Dresdner Bank und die Deutsche Bank etwa, die vor allem Milliarden-Kredite für Industrieunternehmen bereitstellten .

Die zweite Gruppe der Nutzniesser werden also Industrieunternehmen wie Daimler, Bayer, Hoechst, Thyssen Krupp sowie Siemens und ähnliche Unternehmen sein. Allein bis 1979  investierten diese Unternehmen 600 Millionen DM in Iran. Im Jahre 2000 setzte eine kleine Renaissance der deutschen Investitionen im Land an: allein in dem Jahr investierten deutsche Unternehmen 90 Millionen DM im Iran. Noch in 2007 exportierte Deutschland Waren in Wert von 3,6 Milliarden Euro nach Iran und importierte für knapp 600 Millionen Euro Waren aus der islamischen Republik. 2008 betrug die Summe des gesamten bilateralen Handels 4,5 Milliarden Euro.

Doch seit 2012 hat Deutschland seine Stellung im iranischen Außenhandel an China und Russland eingebüßt. Allein in dem Jahr schrumpfte der Wert der exportierten Waren nach Iran um 18% auf 2,5 Milliarden Euro und iranische Exporte nach Deutschland halbierten sich gegenüber 2011 auf 330 Millionen Euro.

Heute ist die Schweiz mit einem Anteil von 25% der größte europäische Handelspartner des Iran: das Land exportierte in den letzten 9 Monaten Waren im Wert von 1,7 Milliarden Euro in die islamische Republik.

Aber seit langem könnten auch wieder amerikanische Unternehmen von dem lukrativen Iran-Geschäft profitieren: die iranische Automobil-Industrie etwa, die größte im Mittleren Osten und nach Produktionszahlen zeitweise auch in den Top 15 der Welt , sucht nach ausländischen Partnern. Einige Medien berichteten schon von Verhandlungen der größten amerikanischen Hersteller mit Iran-Khodro, Irans Automobil-Riesen.

Auch die Flugzeugbau-Inustrie wird wohl Aufträge aus dem Iran erhalten. Nach Angaben eines Leiters des Verkehrsministeriums sind derzeit 100 Passagierflugzeuge des Iran „am Boden“, da nicht genügend Ersatzteile vorhanden sind und dadurch keine entsprechende Flugsicherheit gewährt werden kann. Auch sonst ist die iranische Flotte „veraltet“ und die Airlines laufen am Limit dessen was ihre Flotte hergibt , weshalb der Iran bis zum persischen Kalender-Jahr 1404 (in etwa 12 Jahren) die Anschaffung von 55 neuen Passagierflugzeugen im sog. Entwicklungsplan der islamischen Republik projektiert hat . An Geld oder Passagierzahlen fehlt es hierbei nicht: Im Schnitt wurden jährlich 15 Millionen Passagiere in 2010 und 2011 befördert, Tendenz steigend.

Zu den Hauptgewinnern aber werden Energie-Unternehmen zählen: Nach Angaben des “Wallstreet Journal” hatten Vertreter der österreichischen Ölgesellschaft OMV beispielsweise in den vergangenen Wochen mehrere Treffen mit Irans Ölminister Bijan Zanganeh sowie Vertretern des iranischen Ölministeriums abgehalten. Ziel der Gespräche sei die baldige Rückkehr der Österreicher vor allem in das iranische Gasfeld “South Pars”. OMV und der Iran versuchten bereits 2007-08 einen 25 Jahresvertrag übe 22 Milliarden Euros abzuschließen, was massive Proteste der USA auslöste. Aufgrund des Embargos gegen die Öl- und Gasindustrie des Landes in den vergangenen zwei Jahren kamen die Bestrebungen dann vollständig zum Erliegen.

Auch amerikanische Ölgesellschaften sind nach Angaben des iranischen Ölministeriums im Rennen wenn es um Vergabe neuer Förderverträge geht.

Bei weiteren Frage zu der Lockerung der Sanktionen oder im Bezug auf einen Markteintritt in Iran, ganz egal in welcher Branche, können Sie uns kontaktieren.

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